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Der Truppengattung Artillerie verbunden, hier der Baubericht zum MARS/MLRS – Mittleres Artillerie-Raketen System in 1:72. Beim Multiple Launch Rocket System (MLRS) handelt es sich um ein Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystem auf Kettenfahrgestell welches bei der Bundeswehr unter dem Namen Mittleres Artillerieraketensystem (MARS) geführt wird.

Bevor ich beginne etwas detailliertere Geschichte zum MARS und dessen Einsatz in der Bundeswehr.

Das Original

Im Jahre 1970 wurde das Projekt eines mittleren Mehrfachraketenwerfers vom United States Army Missile Command initiiert, um eine Flächenfeuerwaffe mit hoher Feuerkraft gegen weiche und halbharte Ziele zu schaffen. 1978 wurden auch die europäischen NATO-Mitglieder Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien in die Entwicklung und Produktion als NATO-Standardwaffe mit einbezogen. Ab da führte das Projekt die Bezeichnung MLRS (Multiple Launch Rocket System) oder zu Deutsch MARS (Mittlerers Artillerie-Raketen System). Bei der US Army erfolgte die Einführung 1983, 1989 folgten die Europäer. Insgesamt fertigte die eigens gegründete MLRS-Europäische Produktionsgesellschaft (MLRS-EPG) 234 Werferfahrzeuge.
Ausgestattet ist der MARS mit einem flüssigkeitsgekühlten 8-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor mit Direkteinspritzung, welcher 373 kw oder 500 PS entwickelt. Abhängig von der Munitionssorte sind die Raketen vom Kaliber 227 oder 237 mm. Sie können als Serie, Teilserie oder einzeln verschossen werden. Innerhalb von 55 Sekunden kann eine Serie, insgesamt 12 Raketen, bis zu einer Tiefe von 14 – 38 km abgefeuert werden. Der ca. 25t wiegende Werfer hat eine Besatzung von 3 Soldaten.

Zwischen 1990 und 1994 beschaffte die Bundeswehr insgesamt 154 Fahrzeuge (150 Werfer und 4 Fahrschulfahrzeuge) mit 46.000 Raketen. Anfänglich wurden jeweils 18 Raketenwerfer MARS in einem Raketenartilleriebataillon und dieses wiederum einer Division des Heeres zugeordnet. Im Zuge vielfältiger Umstrukturierungs-Maßnahmen gibt es heute lediglich noch 4 Raketenartilleriebatterien in den gemischten Artilleriebatailllonen mit jeweils 8 MARS II. Der Mars II ist im Moment das einzige Waffensystem des indirekten Feuers, welches den Forderungen des neuen Einsatzspektrums durch die Fähigkeit zum Verschuss von Präzisionsmunition gerecht wird.

Der Bausatz

Der Bausatz wird unter der Marke ARMO von jadarhobby in Polen gefertigt. Die gezählten 76 Bauteile bestehen vollständig aus Resin, dessen Guß nicht gerade überzeugend ist.
Das Laufwerk ist mäßig detailliert und die Ketten bestehen aus gegossenen Segmenten. Die größten Bauteile bilden das Werferpaket und die Wanne. Das Werferpaket ist massiv gegossen. Verzug und Fischhäute sind hier die Regel.

Die Anleitung

Die einseitige, schwarz-weiße, in DIN-A4 gehaltene Anleitung ist sehr einfach gehalten. In der Explosionszeichnung kann man jedoch erkennen wo welche Bauteile verbaut werden sollen.

Der Bausatz bildet eine richtige Herausforderung! Out-of-Box geht hier gar nicht. Korrigieren, detaillieren, ergänzen und neu erstellen steht hier an. Es wird also spannend.

Der Zusammenbau beginnt…

Um mit den Zusammenbau zu beginnen sind bei Resinmodellen naturgemäß einige Vorbereitungsarbeiten durchzuführen. Begonnen habe ich mit dem Werferblock. Mit meiner Tamiya Resinsäge wurde der Anguss ersteinmal entfernt und anschliessend auf einem mit Schmirgelpapier beklebten ebenen Buchenbrett plan geschliffen.

Die Munitionsbehälter-Aufnahme an der Vorderseite des Werferpaketes entsprach leider nicht meinem Sinn von Detaillierung. Daher entfernte ich erstmal alles Überflüssige mit einer Atzteilsäge von Hauler. Die Tragarme wurden anschließend verschliffen. Nach den “Ausdünn”-Arbeiten wurde die Rückseite auf meinem Schleifbrett dünner geschliffen. Übrig blieb nun lediglich das Bauteil an sich und die Rollen für die Munitionspaket-Aufnahme.

Leider zeigte sich erneut die schlechte Qualität des Bausatzes: Die Werfer-Aufnahme war total verzogen und defekt. Hier hilft nur das Bad in heißem Wasser und der anschliessende Versuch das Bauteil zur richten. Ich habe es zu meiner Zufriedenheit hinbekommen.

Neue Baustelle: Der “Wannenklotz” mit Führerhaus. Auch hier stand erstmal ein heißes Bad und anschließendes Richten des dann doch recht weichen Materials an. Danach wurden die Fischhäute mit Bastelmesser und Feile entfernt und gesäubert.
Da man später das Innenleben sehen wird (so ist es zumindest gedacht..) musst hier etwas nachgearbeitet werden. Die Staufächer im Heck des Führerhauses mussten entfernt werden. Dies erreichte ich durch das Herausfräsen mit der Micromot-Maschine. Anschließend begann der Neuaufbau. Hierzu verwendete ich Plastik-Sheet und Profile. Nacht etlicher Kleinarbeit, welche zudem auch noch lange aufhält, kann es sich sehen lassen. Einige wenige Details fehlen noch, doch das kommt später.

Ich habe mir danach mal die Hydraulikzylinder für das Werferpaket vorgenommen. Die Originale gefielen mir überhaupt nicht. Also neue bauen. Dazu verwendete ich dünne Messingröhrchen mit 1,1mm und 1,6mm Durchmesser von MasterTools. Diese wurden mit dem Skalpell auf Maß geschnitten. Die Aufnahmen wurden von den mitgelieferten Zylindern abgtrennt und aufgebohrt und dann mit den neu erstellten Zylindern mittels Sekundenkleber verbunden.

So gefällt mir das schon besser. Nun ging es erneut an die Werferaufnahme. Die beschädigten Teile schnitt ich heraus und ersetzte sie mittels Plastik-Profilen. Die angedeutete Hydraulik ist leider nicht so der Bringer: Also erstmal weg damit!
Das Innenleben musste also neu aufgebaut werden. Zuerst wurde eine 0,3mm Plastikscheibe mittels Kreisschneider erstellt, welche die Basis für die Aufnahme der Hydraulik darstellt. PS deshalb, damit die Hydraulikelemente besser verklebt werden können. Nach dem Aufzeichnen von Hilfslinien wurden 0,6mm PE-Schraubenköpfe mittel Ponal Schnell+Fest auf dem Sheet verklebt.
Jetzt musste die Hydraulik neu “geschnitzt” werden. Hierzu dienten PS-Profile, Resin-Reste und Bleidraht als wesentliche Materialien. Die runden Elemente entstanden via Punch & Die – Set.

Truppezugehörigkeit

Beim Studium von Referenzen habe ich mir Gedanken gemacht zu welcher Einheit der Werfer mal gehören soll. Ich habe mich aufgrund eines Vorbildfotos, was ich dann gefunden habe, für die 4. Batterie des Raketenartilleriebataillons 52 entschieden. Das damals im hessischen Gießen stationierte Bataillon stand mir zu meiner aktiven Dienstzeit recht nahe und daher denke ich es ist eine gute Wahl. 😉 Aber nun mussten die passenden Decals her. Also das Vektorzeichenprogramm ausgepackt und nach Referenzstudium die nötigen Decals und Details gezeichnet. Die sind zur Zeit beim professionellen Drucker. Und so sehen diese dann aus:

Das Wappen hat mich einige Zeit gekostet, da es nur noch wenige Vorlagen gab. Stencils und Markings wurden auf das Notwendigste beschränkt. 1:72 ist da schon recht klein. Aber ich denke es ist für meinen “semiprofessionellen Status” doch recht gut gelungen.

Schwingarme, Stoßdämpfer und Tragrollen

Das vom Hersteller geplante Fahrwerk unterlag leider ebenfalls einer eher bescheidenen Qualität. Hier musste also Abhilfe geschaffen warden. Zuerst wurden alles weggeschliffen. Die bisherigen Naben und Dämpfer mussten weichen! Gleichzeitig wurde die Wanne in ihrer Breite dadurch etwas schmäler geschliffen, was für den weiteren Verlauf notwendig ist. Nun ging es an den Wiederaufbau.
Hierfür habe ich einen Bausatz eines Bradley von Revell geopfert. Neudeutsch nennt man dies wohl “Kit-Bashing”. Dies galt es nun entsprechend anzupassen. Die Bauteile des Bradley wurden mit der JLC-Säge passend getrennt… (Wobei ich hier nicht aufgepasst habe, was mir etwas später zusätzliche Arbeit bescherte, aber dazu später mehr.) und anschließend mit der Wanne verklebt. Die entstandenen Zwischenräume wurden mit Plastik-Sheet verfüllt und verspachtelt. Nun war es notwendig die Wannenunterseite aufzufüttern. Dies erfolgt ebenfalls mit einem Stück Plastik-Sheet, welches anschließend verspachtelt und verschliffen wurde.

Erst jetzt merkte ich, dass die Stützrollen für die Kette nicht passten! So ein Mist!!! Beim Trennen der Fahrwerkteile vom Bradley hätte ich diese prima absägen können. Nun war guter Rat teuer. Ich kam mit meinen Sägeblättern da nicht mehr richtig hin. Mit Hilfe eines Laubsägeblattes habe ich diese dann in mühevoller Arbeit abgesägt. Anschließend wurden die Löcher verspachtelt. Nachdem alles getrocknet war erfolgte noch der Wiederaufbau der Stoßdämpfer aus Rundmaterial. Die Unregelmäßigkeiten an der Wanne wird man später nicht mehr sehen. Da bin ich mir gaaaaaanz sicher. Weathering sei Dank!
Nachdem ja nun die Stoßdämpfer befestigt waren sollten die Tragrollen, welche ich im letzten Update erfolgreich beseitigt hatte, folgen. Aber der Bradley, von dem das Fahrwerk stammt hatte leider zu wenige äußere Tragrollen. Also schliff ich mir das zuvor abgetrennte Bauteil zurecht und formte es letztlich in einer Silikonform mit Resin in ausreichender Menge ab. Die inneren und die abgeformten äußeren Tragrollen konnten nun in das Fahrwerk eingepasst werden. Mit Sekundenkleber wurden diese dann befestigt.

Der Werfer-Aufbau

Nachdem mich das Fahrwerk nun genug geärgert hat, habe ich mich erstmal dem Werfer-Aufbau angenommen. Als erstes wurden die fehlenden U-Profile der Ladebäume aus 0,1mm Alufolie (Grillschale) gefertigt und gebogen. Der Ladebaum wurde von mir noch entsprechend passend geschliffen. Jetzt waren alle Teile für den vorderen Teil des Werferaufbau’s fertig und konnten verbaut (verklebt) werden. Das Vorderteil wurde nun mit dem Werfer-Aufbau verklebt und die Lücken und Spalte mit Sekundenkleber verfüllt. Der dicke Resinklotz des Werferaufbau’s musste leider auch noch massiv bearbeitet werden. Eine dicke Sinkstelle musste ausgefüllt werden. Also abschleifen, spachteln und wieder schleifen. Danach die Details auf der Oberseite wieder ergänzen. Spaß machte das definitv keinen.

Weitere Details folgten auf der Unterseite des Werfergehäuses. Es wurden die Verzurr-Welle aus Messingrohr und die Verzurrhaken aus Plastik und Kupferdraht ergänzt. Anschließend erfolgte der Zusammenbau der Drehplattform mit dem Werfergehäuse. Und ratet mal: Es passte leider gar nichts! Der Bausatz ist echt hart. Also: Erstmal passend fixieren und dann die Löcher für die Verbindungsbolzen neu bohren. Danch wurde Drehplattform und Werfergehäuse mit Bolzen aus 0,5mm Kupferdraht (rote Pfeile) miteinander verbunden. Ach ja, die Hydraulikanlage wurde nun auch komplettiert.

Die Fahrerkabine

Nun ging es darum die Fahrerkabine entsprechend zu detaillieren. Hier liefert der Bausatz schon gute Ansätze. Aus Bleidraht unterschiedlicher Dicke wurden die beim Original herausstechenden Heizungs-Schläuche sowie die Anschlußleitungen für die Handapparate mittels umwicklen hergestellt.
In der Kabine wurden die BV-Kästen und Handapperat-Halter aus Sheet geschnitzt und ergänzt. Deren Verkabelung erfolgte ebenfalls mit 0,2mm Bleidraht. Auch das Funkgerät erhielt die notwendigen Kabel aus Bleidraht. Die zuvor erstellten Heizlüfter-Schläuche wurden ergänzt und mit Sekundenkleber befestigt. Zusätzlich wurden noch kleine Hebel aus 0,3mm Kupferdraht sowie Boxen, Feuerlöscher und Verbandkasten aus Sheet geschnitzt und verbaut. Die zuvor angepassten Sitze erhielten eine mit dem Pinsel aufgetragene dünne Schicht Putty, damit sie etwas rauher wirken.
An der Frontwand wurden noch die Griffe aus 0,3mm Kupferdraht erstellt und verklebt. Die Spiralleitungen für die Handapperate entstanden wiederrum aus dünnem Bleidraht. Der Lenker wurde scratch aus 0,1mm Alufolie und gezogenem Gussast gefertigt.

Nachdem alles getrocknet war, konnte ich die Detailbemalung durchführen. Dazu wurde der komplette Innenraum zuerst mit Tamiya XF21 Sky gebrusht. Alle Details wurden nun mit Farben von Revell, AK Interactive und Vallejo mit dem Pinsel bemalt. Einem anschließendes Washing mit AK093 Interior Wash folgte noch ein Pin-Washing mit AK121 OIF & OEF US Vehicles Wash. Danach eine Verschmutzung mit AK4063 Brown Earth Deposit.

Jetzt folgte der Zusammenbau der Kabine. Passung war hier ein absolutes Fremdwort. So einige Neven gingen hier den Bach runter. Gefühlte tausendmal Trockenpassen und beste Lage herausfinden war angesagt. Hier passte einfach nix!
Als dann alles einigermaßen verklebt war, folgte das große Spachteln. Die Türrahmen (roter Pfeil) mussten geschlossen werden. Auf dem Kabinendach (grüner Pfeil) ergänzte ich noch mit Platiksheet den fehlenden Teil des Daches. Nach ausreichender Trockenzeit und verschleifen entschied ich mich noch dafür die Dachluke zu öffnen. Mittels Proxxon wurde die alte Luke abgeschliffen und die Öffnung mit einem Fräser hergestellt. Danach erneut spachteln. Der Griff an der Bugplatte gefiel mir ebenfalls nicht und wurde mittels Kupferdraht neu erstellt. Es folgten die Aufnahmen für die Warnschilder, welche aus dünnem Sheet aufgebaut wurden. Da am Bausatzteil die Befestigung der Schussblenden defekt war und ich die Reste bereits zuvor vollständig entfernt hatte, mussten diese also wieder ergänzt werden. Aus dünnem PS wurde diese mit dem Skalpell geschnitzt, geschliffen, angepasst und anschließend mit Sekundenkleber am Führerhaus verklebt. Da nun das Dach offen war, baute ich aus Sheet und Kupferdraht die Dachluke neu. Auch die Türen erfuhren etwas Verfeinerung und Detaillierung.

Auch die Schmutzlappen entsprachen nicht meinen Ansprüchen, woraufhin ich sie aus Alufolie neu herstellte. Jetzt waren also auch alle Kleinteile erstellt.

Jetzt wird’s bunt..

Die Ketten des MLRS, welche ebenfalls aus dem Bradley-Bausatz stammen, erhielten ihre erste Farbschicht mit Tamiya XF56 Metallic Grey. Ein erstes Washing mit verdünntem Lederbraun von Revell folgte ein Washing mit AK046 Light Rust.
Die Kettenpolster:Ich wollte ja schon immer mal das mit der selbstgebauten Farb-Rolle ausprobieren. Nun war also der richtige Moment. Aus Gussast und Evergreen-Rohr baute ich mir meine eigene Farbrolle. Die Rolle wurde zur Aufnahme der Farbe mit Verbandmull und doppelseitigem Klebeband versehen. Die Farbe, Revell Anthrazit, hatte ich auf meiner Farbpalette vorbereitet. Also ich muß sagen das mit der Farbrolle ist echt klasse und ich bereue, dass ich das nicht schon viel früher gemacht habe. Absolut empfehlenswert!

Auch für den Rest war der Zeitpunkt gekommen dem ganzen etwas Farbe zu verleihen. Die Bauteile, begonnen habe ich mit dem Werfergehäuse und den Laufrollen und Antriebskettenrädern, erhiehlten eine Grundierung mit Tamiya NATO Black. Auf dem Werfergehäuse fehlten die Antirutschbeschichtung. Wie bereits mehrfach zuvor praktiziert sollte diese mit Dupli Color Terracotta-Spray aufgebracht werden. Nun ging es also an das Abkleben. Früher machte ich dies per Hand und mit Tamiya Tape, jetzt schlug die Stunde meines bereits seit längerem im Besitz befindlichen Schneidplotters: Masken via Schneidplotter! Also hingesetzt, gezeichnet und geplottet. Tolle Sache! Dann ging es an das Lackieren mittels Dupli-Color-Spray. In mehreren dünnen Schichten wurden die Beschichtungen aufgetragen. Die Farbe ist etwas unter die Maske gelaufen, aber das ist verschmerzbar und nachher nicht mehr zu sehen. Auf dem Bild wurde die überschüssige Farbe bereits etwas entfernt

Auch das Fahrgestell erhielt nun seine schwarze Vorlackierung mit Tamiya NATO black. Zuvor wurden alle Öffnungen mit Verpackungs-Schwamm-Stücken verschlossen. Nach dem Trocknen folgte nun der Basislack. Das Fahrgestell als auch der Werfer erhielten die Basisschicht in Bronzegrün von Vallejo, die in mehreren dünnen Schichten lackiert wurde. Nebem dem Fahrgestell wurden auch die Laufrollen, welche zuvor gänzlich schwarz lackiert waren, mit Hilfe einer Rundschablone in Bronzegrün lackiert. Der Durchmesser passte nicht so ganz, daher war etwas Nacharbeit mit dem Pinsel erforderlich.

Kettenmontage

Nachdem der Basislack getrocknet war, konnte die Montage der Ketten beginnen. Irgendwie habe ich das immer etwas herausgezögert, war ich mir doch nicht ganz sicher ob es funktionieren würde. Schließlich waren die Kettenteile des benutzten Bradley nicht für den MLRS gemacht. Also los gings. Zuerst befestigte ich die Laufrollen, Leiträder und Antriebszahnkränze am Fahrgestell mit etwas Weißleim. Absicht war, diese wieder abnehmen zu könnnen. Ich betone: Absicht! Danach wurden die Segementteile Stück für Stück mit den Fahrwerkteilen verklebt. Hierzu war es erforderlich einige Segmentteile aus einem kompletten Stück Kette mit dem Skalpell herauszutrennen und anzupassen. Eine wahrlich mühevolle und zeitraubende Arbeit. Was man nicht alles tut….
Doch die Mühe war es meiner Ansicht nach wert: Die Kette sieht um Welten besser aus wie die mitgelieferten Bauteile. Nun zu der Absicht mit dem Abnehmen der kompletten Fahrwerks: Ich hatte nicht bedacht, das die Führungszähne in den bereits befestigten Tragrollen laufen! Also war nichts mit wieder abnehmen. Somit ist für die weiteren Schritte abkleben angesagt. Hier nur die fertig aufgezogene Kette.

Rocketpod-Container (RPC)

Zwischenzeitlich habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, wie ich den Werfer später präsentiere. Mir schwebte dort ein Bild vor, wo der Werfer am Munitionsversorgungspunkt steht und gerade die neuen Rocketpod-Container (RPC) aufgenommen hat. Schönes Bild, dachte ich mir, doch wo krieg ich die Rocketpod’s her? Das Bild ließ mich nicht mehr los. Es mussten RPC’s her.
Nachdem ich mir den Aufbau näher betrachtet habe reifte der Gedanke in mir die selbst zu bauen. Nach meiner Recherche brauchte ich die Front- und die Heckplatte für die RPC. Zuerst versuchte ich diese via Schneidplotter und 0,3mm PS herzustellen. Dies gelang mir leider nicht, da die Bohrungen nur schwer entfernbar waren. Nun war guter Rat teuer! Da fiel mir mein Freund Guido Kehder mit seiner CNC-Fräse ein. Also zuerst die Platte via CAD gezeichnet dann mit Guido gesprochen ob er mir diese freundlicherweise fertigt, was er dann auch tat. An dieser Stelle nochmals mein herzlichen Dank an dich!
Anschließend fertigte ich in Handarbeit und mit meinem Schneidplotter aus PS-Profilen und Rohren die notwendigen restlichen Bauteile. Es entstand ein richtig kleiner Bausatz. Nachdem nun mit Flüssigkleber alles zusammengesetzt war hatte ich meine RPC.

Die Tarnung

Bevor es an die Lackierung der 3-farb-Tarnung ging, wurden die auffälligen Nieten an den Werferarmen mit Hilfe von Resin-Nieten von Archer Fine Details ergänzt.
Mit Hilfe meines Schneidplotter habe ich mir erstmal die passenden Masken für die 3-Farb-Tarnung des Werferrahmens erzeugt. Diesmal habe ich mich nicht getraut mit der Airbrush freihand zu lackiern. Fragt mich aber nicht warum, denn eine konkrete Antwort habe ich nicht. War so ein Bauchgefühl. Ein guter Grund das Erstellen von Masken mittels Schneidplotter auszuprobieren. Gesagt, getan. Dies Masken sind auf dem Werfergehäuse aufgeklebt. Hier war zusätzlich noch Transferfolie notwendig und das Aufkleben gestaltete sich doch komplizierter wie gedacht. Egal: Es hat funktioniert. Das Ergebnis kann sich meiner Ansicht nach sehen lassen. Schöne, klar abgegrenzte Verläufe.

Alles in allem waren die Masken praktikabel. Für das Fahrgestell des Werfers bin ich von den Masken abgewichen. Viele Ecken und Kanten hätten das Aufbringen der Masken doch recht schwierig gemacht. Was nun: Airbrush hab ich mich nicht getraut, Masken fielen aus – pinseln! Ja pinseln. Hab ich schon lange nicht mehr gemacht, war aber hier die einzige Alternative. Ich muss sagen, es klappte ganz gut. Mehrere dünne Lagen mit nochmals verdünnten Vallejo Model Air – Farben haben doch eine in meinen Augen saubere Tarnung hervorgebracht.
Somit war die Grundlackierung abgschlossen und es erfolgt hier und da noch etwas Detailbemalung und dann eine Schicht Erdal Glänzer. Diese dient nun als Schutz der Basislackierung und als Grundlage zum Aufbringen der Decals.

Markierungen

Nachdem nun das Modell eine Schicht Erdal Glänzer erhalten hatte folgte nun das Aufbringen der selbst erstellten Decals. Als erstes bei den scratch erstellten Rocketpods, dann beim Werfergehäuse und schließlich auch am Fahrgestell. Nach dem Trocknen erhielten alle Teile eine Schicht Tamiya Clear als Vorbereitung für die Alterung.

Alterung

Als erstes erfolgte ein Filter, angemischt aus den Ölfarben Burnt Sienna und Titanweiß. Zuvor wurden diese auf einem Stück Pappe ausbluten gelassen, d.h. das Öl wird von der Pappe aufgesaugt. Dann hochverdünnt mit Feuerzeugbenzin. Warum selbst gemischt, wo es doch Fertigprodukte gibt? Einfache Erklärung: Ich habe das Produkt von AK-Interactive und leider bin ich damit nicht zufrieden. Dieses stellt sich schon als Filter wie eine Dreckschicht dar. Deshalb die guten alten, kontrollierbaren Ölfarben.
Nachdem nun alle Kleinteile wie Schmutzfänger, Türen, Luken, RKL, Antenne und Spiegel ergänzt waren fing ich an das Modell zu verschmutzen. Dazu nutze ich die fertigen Mischungen von AK-Interactive aus der Serie “Dust & Dirt Deposits” Diese sind für mich absolut überzeugend und einfach zu handhaben.

Die Vignette

Zur passenden Präsentation fehlt nun nur noch die Vignette. Als erstes fertigte ich den Sockel aus Buchenleimholz indem ich die Ränder mit meiner Oberfräse bearbeitete. Anschließend erfolgte das Beizen mit schwarzer Beize und anschließendem Auftrag von seidenmattem Klarlack. Nach dem Abkleben wurde das Gelände mit Hilfe von Molto Holzspachtel modelliert. Zusätzliche Steine sorgten für eine Belebung. Anschließend wurde dem ganzen mit Acrylfarbe und Pigmenten die entsprechende Farbe verliehen. Das Wappen des Raketenartilleriebataillons 52 wurde abschließend auf dem Sockel befestigt.

Als letzter Schritt wurde das Modell auf die Vignette gesetzt, womit der Baubericht endet. Der Bausatz ist definitiv nicht zu empfehlen. Er erfordert reichlich Nacharbeit und die Neuerstellung von Bauteilen. Dennoch entstand in meinen Augen ein schönes Modell im kleinen Maßstab!

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