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Sind wir doch im Militärmodellbau mit so manchem Maßstab vertraut, so ist 1:144 für Rad- und Kettenfahrzeuge doch etwas besonderes. Ich rede von dem Bausatz „Bundeswehr Vehicles“ von Revell, der in diesem Maßstab ausgeführt ist. Ein MAN 5t gl „Emma“, ein HS30 und ein M47 sind dort in diesem kleinen Maßstab enthalten, und ich konnte nicht wiederstehen. Hier nun mein Blick in die Box.

Die Originale

Bei der Baureihe des MAN 630 handelt es sich um einen militärischen LKW der 5-t-Klasse. Dieser wurde in den Varianten MAN 630 L2A und MAN 630 L2AE gebaut. Die Bezeichnung L2AE bedeutete hierbei, dass es sich um ein Fahrzeug mit Einfachbereifung handelte. Der MAN 630 gehört zu der ersten Generation der Bundeswehr-Radfahrzeuge und ist bei den meisten ehemaligen Bundeswehrangehörigen auch heute noch unter der liebevollen Bezeichnung „Emma“, oder auch unter “MAN-Allesfresser” (der Motor konnte über eine Einstellung in der Ölpumpe auch mit Altöl, Frittierfett o. Ä. betrieben werden) in Erinnerung. Ab 1958 wurden ca. 20.000 Fahrzeuge an die Bundeswehr geliefert, die sich größtenteils auf Varianten mit Pritsche und Plane sowie Varianten mit Koffer aufteilten. Sowohl der MAN 630 L2A als auch der L2AE sind hochgeländegängige zweiachsige LKW mit Allradantrieb, die mit einem 100 kW starken Vielstoffmotor (Mittenkugelmotor) mit 8,275 Litern Hubraum ausgerüstet wurden.

Der M47 Patton mit der offiziellen Bezeichnung durch das Army Department: „M47 Medium Tank – 90 mm Gun“ war ein Kampfpanzer der Zeit des Kalten Krieges aus US-amerikanischer Produktion. Benannt wurde das Fahrzeug nach General George S. Patton, dem Kommandeur der 3. US-Armee während des Zweiten Weltkriegs. Er war einer der ersten Befürworter von massiven Panzereinsätzen auf westalliierter Seite.
Am 19.01.1956 erfolgte in Andernach die Übergabe der ersten M-47 KPz an die Bundeswehr. Insgesamt wurden 1100 M-47 bis März 1957 an die Bundeswehr übergeben. Dabei war es für die Bundeswehr vorteilhaft, dass die US–Army bereits 1955 mit der Umrüstung ihrer Panzerverbände vom M-47 auf den M-48 begann. Hierdurch konnten die M-47 zwar gebraucht, dafür aber sehr günstig und teilweise sogar umsonst bezogen werden. Sein modernes Fahrwerk machte ihn zu einem sehr beweglichen Fahrzeug im Gelände allerdings mit sehr hohem Benzinverbrauch. Die Besatzung bestand aus 5 Soldaten. Heute wird der Panzer überhaupt nicht mehr verwendet.

Die „Schützenpanzer (lang) HS 30“ waren gepanzerte Kettenfahrzeuge mit 20-mm-Maschinenkanone, von denen die Bundeswehr 2.176 Stück erhielt. Für die neu aufgestellte Bundeswehr wurde beschlossen, die Mehrzahl der Panzergrenadierbataillone mit vollmechanisierten Kampffahrzeugen auszurüsten. Hierzu sollte ein Schützenpanzer eingeführt werden, der den Kampf vom Fahrzeug aus ermöglichte und zudem mit einer schwenkbaren Kanone über eine gewisse Feuerkraft verfügte – der HS30. Da der Panzer übereilt in den Serienbau gegeben wurde, waren schnell zahlreiche Mängel wie ein zu schwacher Motor, Probleme mit Schalt- und Lenkgetriebe sowie vor allem die Laufwerksfederung und -dämpfung zu erkennen. Da das Fahrzeug insgesamt den Anforderungen an einen echten Schützenpanzer nicht gerecht wurde – zum Beispiel Kampf vom Fahrzeug aus unter Panzerschutz – und auch sehr wenig Platz bot, wurde es nach gut zehnjähriger Truppenverwendung ab 1971 durch den Schützenpanzer Marder abgelöst.

Der Bausatz in der Übersicht

Im derzeitigen Look kommt die kleine Falt-Schachtel von Revell mit der Artikelnummer 03551 und dem Titel Bundeswehr Vehicles daher. Enthalten sind neben der Bauanleitung ein kleiner Bogen mit Decals sowie zwei identische Spritgussrahmen in dunkelgrünem Kunststoff. Darauf enthalten die Bauteile für die Modelle der MAN 5t gl „Emma“, des SPz HS30 und des KPz M47. Man erhält also alle Modelle zweimal. Soweit so übersichtlich.

Die Bauanleitung

Die mitgelieferte Bauanleitung ist im farbenfrohen, neuen Design von Revell gehalten. Für mich seltsam gefaltet kommen die insgesamt 8 Seiten daher. In 13 Baustufen inklusive Bemalungsanleitung und Hinweisen zur Decalanbringung wird der Modellbauer durch den Bau geführt. Alle Baustufen sind mit 3D-Bildern und Anweisungen klar dargestellt. Es sollte also mit dem Bau keine Probleme geben.

Decals

Die enthaltenen Decals bestehen aus den eisernen Kreuzen sowie den Turmnummern für den HS30 und den M47. Der Druck ist in Ordnung, auch wenn es hier auf dem Abbild etwas verschoben aussieht. Man bedenke die Größe der Decals im Maßstab 1:144!

Die Bauteile

Die insgesamt 48 Bauteile des Bausatzes sind, wie bereits erwähnt, auf zwei identischen revell-typischen grünen Spritzgussrahmen verteilt.

Auf einem solchen Spritzgussrahmen befinden sich jeweils einmal die Bauteile für alle 3 enthaltenen Fahrzeuge.

Mein positiver erster Eindruck zeigt sich an der Aufmachung und Detaillierung der Bauteile. Na gut, bei diesem Maßstab muss man halt Abstriche und Kompromisse in Kauf nehmen, was einem einfachen Bau geschuldet ist. Dies zeigt sich z.B. an den fehlenden Kettenpolstern bei der HS30-Kette und nicht vorbildgerechten Polstern bei der M47-Kette. Der Kühlergrill des MAN 5t ist ebenfalls ohne nähere Details. Hier ist der Spritzguss und vor allem der Formenbau wohl nah an seiner Grenze. Was etwas störende ist sind z.T. etwas ungeschickt positionerte Auswerfermarken. Diese zu Spachteln muss wohl jeder selbst entscheiden.
Klarsichtteile z.B. für die Kabine des MAN sind ebenfalls nicht enthalten. Hier muss sich der detailversessene Modellbauer selbst helfen. Dennoch finde ich den Bausatz für die drei „Kleinen“ doch recht gelungen. Ätzteile könnten die Misere für eine noch bessere Detaillierung lösen. Doch dazu später einmal mehr…

Hier nun einige Detailbilder der Bauteile:

Referenzen

Wie immer an dieser Stelle sei hier auf das Internet verwiesen. Literatur bietet der Tankograd Publishing Verlag mit der Ausgabe 5040 aus der Serie Militärfahrzeug Spezial für den MAN 5t „Emma“ oder mit der Ausgabe 5002 „Die Anfangsjahre des Heeres der Bundeswehr 1956 -1966″ für die beiden weiteren Modelle.

Zusammenfassung

Für einen äußerst attraktiven Preis erhält man hier in einem interessantem Maßstab 6 schöne kleine Modelle aus der Anfangszeit der Bundeswehr. Kompromissbereit muss man schon sein, kann man aufgrund von Größe und Fertigung keine hundertprozentige Detaillierung erwarten. Die Details sind ausreichend und könnten durch Ätzteile sicherlich noch verfeinert werden. Schauen wir mal…

Fazit

6 schöne Modelle in einem doch für Militärmodellbauer ungewöhnlichem Maßstab. Ausreichend detailliert kommt hier der Bastelspass bestimmt nicht zu kurz!


Produktinformation

Artikelbezeichnung : Bundeswehr Vehicles
Art. Nr. : 03551
Maßstab: 1:144
Bausatztyp: Kompletter Bausatz
Material: Polystyrol
Hersteller: Revell – http://www.revell.de
Preis : ca. 8,50 EUR

Bausatzhistorie

Revell: Bundeswehr Vehicles
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