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Hat sich in den vergangenen Jahren die Vielfalt an Bundeswehr-Fahrzeugen im Maßstab 1:35 doch erheblich durch die Bausatzhersteller verbessert, gibt es doch noch reichlich Wunschmodelle. Eines dieser Wunschmodelle ist das Minenwerfersystem Skorpion. Bereits als Resinkomplettbausatz erhältlich bietet Modellbau-König nun den Bausatz in Kombination aus Resin und Plastik. Was taugt der Bausatz? Schauen wir mal rein…

Das Original

Schon bereits sehr früh erkannte man die militärische Nutzung von Minen, was sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Als Defensivwaffe dienen Minen dazu Bewegungen des Gegners zu hemmen oder zu lenken. Bei der Bundeswehr fehlte in den Anfangsjahren eine mechanische Verlegeeinrichtung für Minen gänzlich. Anfang der 70er Jahre wuchs aufgrund der Angriffsfähigkeit durch die Warschauer Pakt Staaten die Forderung nach der Möglichkeit große Geländeabschnitte schnell zu sperren.

1979 mündete die Zusammenarbeit der Unternehmen Krauss Maffei, WEK, Dynamit Nobel und Wegmann in der Entwicklung des Minenwurfsystem Skorpion. Zu dieser Zeit hatte Dynamit Nobel bereits die Panzerabwehrwurfmine AT 2 entwickelt. Die Bundeswehr entschied sich somit für die Systemintegration auf dem Basisfahrzeug vom Typ M548 A1. 1980 wurde der Vertrag zur Beschaffung von 301 Systemen von der Bundeswehr geschlossen. Die Basisfahrzeuge wurden schnell geliefert, aber die Systemintegration war noch nicht abgeschlossen. Somit wurden die Fahrzeuge in den Pioniereinheiten vorerst als Transportfahrzeuge eingesetzt.

Im Jahr 1981 gab es das erste Truppenversuchsmuster und 1986 erhielt die Bundeswehr ihr erstes Serienfahrzeug. Die Auslieferung aller Fahrzeuge war 1989 abgeschlossen.
Auf der Ladefläche des M548 A1 sind auf einer dachförmigen Trägerplattform je Seite 3 Minenwurfeinheiten angeordnet. Diese können entweder die Lade-, die Wurf- oder eine Transporteinstellung einnehmen. Eine Minenwurfeinheit unterteilt sich wiederrum in 4 Minenausstoßeinheiten, welche jeweils fünf Panzerabwehrwurfminen AT 2 aufnimmt. Insgesamt ist das Fahrzeug also mit 600 Minen ausgestattet, welche für den Ausstoß mit dem Einstell-, Prüf- und Abfeuergerät (EPAG) programmiert werden. Innerhalb von 10 Minuten kann unter optimalen Bedingungen eine Minensperre der Ausdehnung 1500 m x 100 m angelegt werden.

Angetrieben wird das ca. 9t schwere Fahrzeug von einem wassergekühlter Sechszylinder-Zweitakt-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und besitzt eine Besatzung von 2 Soldaten – Kommandant und Fahrer. Als Sekundärbewaffung ist ein MG3 vorhanden.

Das Minenwurfsystem Skorpion unterlag der Nutzungsdauerverlängerung (NDV) Stufe 1 welche für Fahrzeuge der M113-Familie durchgeführt wurde. Diese beinhaltete eine geänderte Brems- und Lenkanlage sowie eine Änderung der Beleuchtungsanlage. Ende der 90er jahre wurden die Fahrzeuge mit der neuen Diehl Typ 513 Gleiskette ausgerüstet.

Von den 300 Fahrzeugen ergaben sich in der Struktur HEER 2010 ca. 68. Diese waren den Panzerpionierkompanien der Kampfbrigaden und den Pionierbataillonen zugeordnet. Mittlerweile ist der Minenwerfer Skorpion bei der Bundeswehr nicht mehr in Nutzung.

Der Bausatz in der Übersicht

Wie bereits von bisherigen Bausätzen aus dem Hause Modellbau König (MBK) bekannt, wird auch der Bausatz des Minenwerfer Skorpion mit der Artikelnummer 35M01 im stabilen einfarbigen Pappkarton mit buntem, rotem Deckelbild geliefert. Öffnet man den prall gefüllten Karton zeigen sich in Plastikfolie verpackt die Spritzlinge aus Plastik sowie die Resin-Bauteile, Decals und eine Fotoätzteilplatine. Dazu die farbige Bauanleitung und als Bonus noch eine CD mit 91 Vorbildfotos.

Die Plastikteile stammen aus dem Bausatz M548 A1 von AFV-Club mit der Artikelnummer AFV35003.

Die Bauanleitung

Die sechsseitige, farbige im DIN-A4-Format gedruckte Bauanleitung führt mit 8 Bauschritten durch den Bau. Beginnend mit der Bauteilübersicht wird anhand von Baustufenfotos der Bau verdeutlicht. Grundsätzlich verständlich bedürfen einige Bilder – gerade für das Biegen der umfangreichen Fotoätzteile – einiger Nachfragen und besserer Beschreibung. Hier und da hätte ich mir auch größere Bilder und Detailaufnahmen gewünscht. Alle Hinweise sind ausschließlich in Deutsch gehalten.

Aber halt – die Bauanleitung gilt nur für den Verbau der Resinteile. Was ist denn mit den Plastikteilen? In meinem Bausatz war leider keine Anleitung für die Plastikteile vorhanden. Da tut man sich ggf. schon schwer. Glücklicherweise ist die Original-Anleitung bei scalemates vorhanden.

Hier nun ebenfalls als PDF zum Download.

Decals

Die mitgelieferten Decals enthalten neben den Hoheitsabzeichen die taktischen Abzeichen der Panzerpionierkompanie 200 sowie techn. Markierungen und Hinweise. Der Druck und die Farben der im Siebdruck entstandenen Decals ist einwandfrei.

Fotoätzteile

In einem Druckverschlussbeutel verpackt liegt im Karton die recht großflächige Ätzteilplatine. Darauf befinden sich Lüftungsgitter, Schutzgitter für den Auspuff, Halterungen für Kanister sowie etliche filigranen Teile für die Werfereinheiten. Die Teile sind fein geätzt und geben keinen Grund zur Klage. Aber – sie sind teilweise recht filigran! Also ist besondere Vorsicht bei der Verarbeitung geboten.

Die Bauteile

Der Bausatz des Minenwerfer Skorpion besteht sowohl aus Bauteilen aus Plastik als auch aus Resinteilen. Die Plastikteile stammen wie bereits erwähnt aus dem Bausatz des M548 A1 von AFV-Club. Es ist aber nicht der komplette Bausatz, einige Spritzlinge – die mit der Munition – fehlen.

Die verbleibenden Spritzlinge sind in dem MBK-Bausatz mehrfach verschweißt enthalten.

Nach dem Öffnen der Plastikfolie können wir die Bauteile nun näher betrachten. Enthalten sind 2 Spritzlinge mit Wannen- und Fahrwerksteilen im klassischen AFV-Club-Grün sowie 1 Spritzling mit Klarsichtteilen, die Wanne, das Verdeck, der Innenraum sowie Ketten aus Vinyl.

Auf dem ersten Spritzling sind hauptsächlich die Fahrwerkteile wie Laufrollen und Kettenräder enthalten. Dazu der Innenraum, welcher komischerweise nochmals vorhanden ist, die Innenraum details wie z.B. das Armaturenbrett und die Lenkhebel, Kettenblenden und Teile der Ladefläche. Mein Spritzling ist leider verbogen, was vermutlich aus dem Verpacken resultiert. Die Kettenblenden müssen definitiv beim Bau gerichtet werden.

Am zweiten Spritzling sind hauptsächlich Fahrzeugfront, Ladeflächenboden und Kabinenteile. Hier wird ein Großteil später nicht mehr benötigt.

Die Fahrzeugwanne wird in einem Stück mitgeliefert und enthält die angeformten Schwingarme. Die Details sind hier eher mäßig.

Ebenfalls enthalten ist das Verdeck für die Ladefläche sowie für die Kabine. Dazu das doppelte Bauteil für den Innenraum.

Der transparente Spritzling enthält alle notwendigen Scheiben.

Die Plastikteile sind nicht schlecht, glänzen aber leider auch nicht mit feinen Details. Aber auch das Fahrzeug an sich ist ja grundsätzlich recht einfach gehalten.
Neben den Plastikteilen befinden sich noch die Ketten aus Vinyl im Bausatz. Das Vinyl ist hier sehr weich. Bei der Kette handelt es sich noch um die „alte“ Art.

Nach der Nutzungsdauerverlängerung 1 wurden diese durch die Diehl 513B – Ketten getauscht. Wer also ein Fahrzeug nach der NDV 1 darstellen will, dem sei unter weiteren Änderungen im Innenraum (dazu später mehr) der Kettensatz Diehl 513B mit der Artikel-Nr. 35004_1 von Perfect Scale Modellbau empfohlen.

Weiter geht es mit dem Kern des Bausatzes – den Resin-Teilen zum Umbau auf das Minenwerfersystem Skorpion. Mit 142 Resinbauteilen und reichlich Fotoätzteilen fällt dieser nicht gerade klein aus.

Ein paar Anmerkungen vorweg. Der Urmodellbauer hat hier wirklich eine tolle Arbeit geleistet, die sich in vielen Details des Multimedia-Umbausatzes zeigen. Leider konnte ich dies bei dem mir erworbenen Bausatz von demjenigen, der die Teile abgeformt und gegossen hat nicht behaupten. Zahlreiche Gussfehler wie Versatz und vor allem ausgetretenes Resin säumen die Bauteile. Das enttäuschte und ärgerte erstmal angesichts des nicht gerade günstigen Preises. Da bin ich wesentlich besseres gewohnt! Aber es scheint sich bei mir offensichtlich um ein „Montags-Exemplar“ gehandelt zu haben. Nach Rücksprache mit dem überaus hilfsbereiten Support von MBK – mein besonderer Dank an Thomas Hartwig – wurden mir die entsprechenden Bauteile schnell und unkompliziert ersetzt. Mehr dazu bei den Bauteilen.

Aber nun zu den Bauteilen im Detail. Das mächtigste Bauteil bildet die dachförmig ausgebildete Trägerplattform, welche in einem Stück enthalten ist. Dieses Bauteil ist dem „Montag“ zum Opfer gefallen und wies leider Gussfehler im Bereich des Angusses an der Heckstoßstange auf, welche auch ein paar Details zerstörten. Der Ersatz von MBK konnte mit den erwarteten Details überzeugen. Die Heckplane mit ihrem realistischen Faltenwurf und dem Befestigungsseil oder auch die Werferpaket-Halterungen oder auch das Heck lassen in punkto Details kein Gemurre zu.

Weiter geht es mit der geänderten Front des M548 A1. Diesmal ist der Guss einwandfrei und die Details wie z.B. die Schrauben / Deckel / Nieten überzeugen.

Die nächstgrößeren Bauteile sind die Rückwand des Fahrerhauses sowie die obere Motorenabdeckung. Grundsätzlich gelungen hat auch hier wieder der Gussteufel zugeschlagen. Die Teile sind verzogen müssen vor dem Bau am besten mit Heißluft auf einer ebenen Fläche gerichtet werden. Das ist für Resinbausätze aber nicht ungewöhnlich und sollte beim Bau schnell beseitigt sein.

Auf der Motorabdeckplatte werden die Lüftergitter verbaut. Zum korrekten Biegen in eine Art „Wellenform“ wird eine Biegehilfe mitgeliefert. In diese Bauteile eingeklemmt und verpresst ergibt sich die korrekte Form der Gitter. Eine tolle Idee. Wäre nun noch die Form für den notwendigen, passenden Zuschnitt dabei, dann wäre es perfekt.

Das markante Bügelsystem auf der Fahrerkabine fehlt selbstverständlich nicht. Auch hier sind die Details gut ausgeprägt und Guss selbst in Ordnung. Beim lösen von Anguss ist Vorsicht geboten und Versäubern notwendig.

Die hinten am Bügelsystem angebrachten seitlichen Rohre sind am Bauteil gut gelöst. Enthalten diese zusätzliche Streben um Bruch zu vermeiden, welche später entfernt werden müssen. Auch hier beim Guss kein Grund zur Klage.

Für den Innenraum gibt es die typischen deutschen Anpassungen. Dabei handelt es sich um das EPAG sowie Funkgerät und Heizungsschläuche oder auch Werkzeuge. Dazu werden im Innenraum noch Ätzteile für die Standplattform des Kommandanten verbaut. Sehr fein. Auffällig ist aber dennoch, das im Innenraum die Maßnahmen der Nutzungsdauerverlängerung (NDV) 1 nicht berücksichtigt wurden im Gegenzug zum Exterieur. Mehr dazu später.

Die zusätzlichen Haltestangen bieten etwas Grund zur Klage. Grundsätzlich fein ausgebildet und auch detailliert zeigen sind diese auf dem Anguss, da freiliegend, verbogen. Hier fehlen definitiv zusätzliche Stützen am Anguss. Sie müssen also durch den Modellbauer ebenfalls mit heißer Luft auf planer Oberfläche gerichtet werden.

Für die Front und das Heck ist die passende Beleuchtungsanlage sowie das Leitkreuz enthalten. Aber hier gibt es leider ein paar Unstimmigkeiten.

Vor der Nutzungsdauerverlängerung (NDV) 1 war die US-Original-Beleuchtungsanlage vorhanden, welche im Zuge der NDV geändert wurden:

Im Bausatz sind für das Heck die eckigen Rückleuchten enthalten, die im Zuge der NDV 1 verbaut wurden. Und da fängt es an: Sind die Ketten noch hinnehmbar, da auch nach der NDV 1 noch im Gebrauch, passt der Innenraum mit Lenkstockhebeln leider nicht dazu. Hier ist es also für den detailverliebten Modellbauer notwendig das neue Lenkhorn, die Feststellbremse und das veränderte Armaturenbrett selbst herzustellen.

Auf den ersten Blick machen die Werfereinheiten einen tollen Eindruck, bei meinem Bausatz urspünglich aber leider nur auf den ersten Blick. Die Details sind überzeugend. Minenwerfereinheit als solches und auch die Minenausstoßeinheiten sind sehr gut gelungen.

Aber dann der Blick auf die Unterseite. So sieht schlechter Guss aus! Überzähliges Resin und ganze Abrisse!

Solltet ihr solche Bauteile vorfinden ist es empfehlenswert sich unmittelbar mit dem Support von MBK in Verbindung zu setzen. Diese Bauteile schienen ebenfalls meinem „Montags-Bausatz“ geschuldet zu sein. Das es besser geht, konnten die schnell gelieferten Ersatzteile von MBK beweisen. Nicht perfekt aber deutlich besser.

Die Befestigungen der Minenwerfereinheiten zeigen einen leichten Verzug welcher aber leicht gerichtet werden kann und nicht weiter auffällt. Auch diese Bauteile mussten bei mir leider aufgrund von Guss-Beschädigungen ersetzt werden. Die Ersatz-Bauteile wiesen zumindest die Beschädigungen nun nicht mehr auf.

Am eigenen Anguss die zusätzlichen Teile wie die Neigungsverstellung für die Werfereinheiten.

Dazu die Klemmhalterungen für die Ausstoßeinheiten, welche ursprünglich auch von Gussfehlern betroffen waren. Der gelieferte Ersatz zeigte diese nicht und überzeugt.

Referenzen

Die Referenzen für den Minenwerfer Skorpion sind vielfältig. Auf den einschlägigen Internetseiten gibt es genügend Bildmaterial. Schön auch die direkt mitgelieferte Referenz-CD mit 91 Aufnahmen von MBK.

Als Literatur sei auf die Ausgabe 5035 der Serie Militärfahrzeuge Spezial von Tankograd oder die Ausgabe 18 der Fahrzeugprofile des Unitec Medienvertriebes verwiesen. Als weitere Bildsammlung sei noch die Walk-Around-DVD Nr. 272 von Dio-Factory erwähnt. Einfach mal bei Dio-Factory nachfragen.

Zusammenfassung

Der Multimediabausatz des Minenwerfers Skorpion besteht aus Teilen des Bausatzes des M548 A1 von AFV-Club die nicht schlecht sind, aber auch nicht besonders. Dazu der gesamte Werferaufbau deren Bauteile aus Resin in Kombination mit Fotoätzteilen bestehen. Die Details als auch die Konstruktion der Werfer-Bauteile überzeugen. Beim Guss war ursprünglich sehr viel Ausschuss zu beklagen. Die Qualitätskontrolle hat hier wohl nicht wirklich gegriffen. Der überaus hilfsbereite und unkomplizierte Support von MBK konnte jedoch mit Ersatz schnell abhelfen. Für den Bau des Minenwerfers Skorpion sollte beim Modellbauer eine gute Portion Erfahrung und Geduld aufgrund der teilweise filigranen Verarbeitung der Bauteile aus Resin und Fotoätzteilen vorliegen.

Fazit

Der von mir erworbene Bausatz des Minenwerfers Skorpion von Modellbau König hinterlässt bei mir einen gemischten Eindruck. Überzeugen Konstuktion und Detailtiefe, so sorgte der Guss erstmal für gehörige Missstimmung. Die Ersatzteile konnten anschließend mit besserem Guss beruhigen. Insgesamt ein feines Modell, welches in der Sammlung von Fahrzeugen der Bundeswehr nicht fehlen sollte. Gerne mehr davon!

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Produktinformation

Artikelbezeichnung : Minenwerfer Skorpion

Art. Nr. : 35M01
Maßstab: 1:35
Bausatztyp: Kompletter Bausatz
Material: Plastik, Resin, Fotoätzteile
Hersteller: Modellbau König – http://www.modellbau-koenig.de/
Preis : 89,90 EUR

Bausatzhistorie

Den Bausatz habe ich bei Modellbau König erworben. Besten Dank an dieser Stelle an den Support von Modellbau König für die schnelle Unterstützung.

Modellbau König: Minenwerfer Skorpion
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