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Wie bereits mehrfach erwähnt bin ich ja ein ausgesprochener Freund der Artillerie. Und als Modellbauer ist gerade der Bausatz des LARS 2 von Elite Modellbau in meinen Fokus gerückt. Das Modell des Trägerfahrzeuges, ein MAN 7t milgl, ist bei MBK recht günstig zu erhalten und so bietet sich die Möglichkeit ein weiteres Fahrzeug der Artillerie zu bauen. Elite besitzt einen gewissen Ruf in der Modellbauszene, desto interessierter bin ich daran, mir ein eigenes Urteil zu bilden und den Bausatz des LARS mal näher zu betrachten.

Das Original

Bereits 1969 beschaffte die Bundeswehr eine Leichtes Artillerie Raketen System (LARS). Dieser 110mm Mehrfachraketenwerfer war auf einem KHD Jupiter Fahrgestell montiert. 1981 erfolgte im Zuge der Einführung der MAN Kat 1 Modelle die Modernisierung dessen. Innerhalb von drei Jahren ließ die Bundeswehr ihre Raketenwerfer auf die Kat I-Fahrgestelle des Lkw 7t milgl von MAN umbauen. Zur Übernahme der „alten Werfer“ entwickelte Wegmann zur Anpassung der Abschussvorrichtung einen Zwischenrahmen für das Fahrgestell des Lkw 7t milgl. Neben der Umrüstung erfolgte gleichzeitig eine Leistungssteigerung des Systems sowie die Verwendung verbesserter Richt-, Abfeuer- und Prüfeinrichtungen. Weiterhin wurden die 110mm Raketen reichweitengesteigert. Das modernisierte System erhielt die Bezeichnung LARS 2.
Der Mehrfachraketenwerfer besteht aus zwei Rohrpaketen mit jeweils 18 Startröhren für Splitter-, Minen- oder Nebelgefechtsköpfe für Raketen des Kalibers 110mm. Die 36 Raketen des Werfers konnten in einer Salve innerhalb von 18 Sekunden zwischen 6 und 14km weit verschossen werden.
Die Besatzung bestand aus 3 Soldaten – dem Fahrer, dem Richtkanonier und dem Kommandanten. Im Jahre 2000 wurde der LARS 2 aus der Nutzung genommen.

Der Bausatz in der Übersicht

Im stabilen Karton mit gelben Umschlag und Titelbild kommt der Bausatz mit der Artikelnummer 3584a daher. Hierbei handelt es sich um einen Resin-Umbausatz, für den als Grundmodell der MAN 7t milgl 6×6 Bausatz von Revell (03081) erforderlich ist. Leider ist das Original nicht mehr erhältlich. Aber wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist dieser als Wiederauflage von Modellbau König noch unter der Artikelnummer MBK35081 recht preiswert zu erhalten. Es lohnt sich also.
In dem Karton befinden sich, in Verpackungschips eingebettet, 4 Druckverschluss-Beutel, Bauteile sowie die Bauanleitungen und Draht. Insgesamt, wenn ich mich nicht verzählt habe, enthält der Bausatz 142 Bauteile aus Resin, 1 Bauteil aus Weißmetall sowie Stahl und Messingdraht.

Die Bauanleitung

Die Bauanleitung weicht vom bisher bekannten Stil von Elite Modellbau ab. Eigentlich sind zwei Anleitungen enthalten, die von Elite erstellte sowie ein abgewandelter Auszug der Original-Bauanleitung des Revell MAN 7to mil gl. Beide Anleitungen sind doppelseitig und im Format A4.
Die kopierte Original-Bauanleitung in schwarz-weiß wurde handschriftlich um die Änderungen durch den Bausatz ergänzt. Obsolete Bauschritte wurden durchgestrichen. Soweit ist dies alles verständlich.

Die Elite-eigene Bauanleitung in Farbe besteht nicht, wie bisher bekannt, aus Zeichnungen sondern ist eine Foto-Dokumentation. Sie beginnt mit der Bauteilübersicht und dessen Nummerierung. Mittels 20 Fotos wird der Modellbauer durch die einzelnen Bauschritte geführt. Bei den Fotos handelt es sich überwiegend um SW-Fotos, die aber dennoch recht klar abgedruckt sind. Alle Bauteile sind auf den Fotos nummeriert und es gibt teilweise noch schriftliche Hinweise. Alles in allem ist die Anleitung hier klar verständlich, wenngleich sich hier und da ein paar wenige Fragen, gerade was die Befestigungspunkte angeht, auftun. Den Abschluss der Bauanleitung bilden Farbfotos vom fertigen Modell sowie ein handbemalter 5-Seitenriss mit Tarnplan für die 3-Farb-Tarnung.

Die Bauteile

Die Bauteile an sich sind überwiegend aus hell- bis dunkelgrauem Resin hergestellt. Die meisten Teile werden gesockelt geliefert.

Für das Fahrwerk liegen dem Bausatz die Rahmenteile inklusive des aufgesetzen Hilfsrahmens als Ersatz der Originalbauteile bei. Die Umsetzung ist gelungen und auch der Guß ist bis auf ein wenig Fischhaut einwandfrei zu bezeichnen. Aufgrund der Länge der Bauteile ist hier ein gewisser Verzug zu beobachten, der aber ausgeglichen werden kann.

Zu den größten Bauteilen des Bausatzes zählen zweifelsfrei die Waffenanlage mit den Raketenbehältern, die Ober- und Unterlafette sowie der prägnante Staukasten des Werfers. Im Detail betrachtet besteht die Lafette aus dem Aufbau mit Radabdeckungen sowie der Ober- und Unterlafette. Der Aufbau mit Radabdeckung besteht aus einem Bauteil. Hier sind weder Verzug noch Gussfehler festzustellen und das Versäubern hält sich in Grenzen. Selbst die Darstellung der Antirutschbeläge fehlt nicht. Sehr schön gemacht. Auch die Ober- und Unterlafette welches aus zwei Gussteilen besteht ist einwandfrei und schön detailliert. Die Abmessungen sind nach den mir vorliegenden Zeichnungen absolut stimmig.

Die Waffenanlage mit den Raketenbehältern selbst ist ebenfalls recht detailliert und ein recht schwerer Brocken. Leider findet sich hier Verzug sowie ein gewisser Formenversatz, der aber beim Bau in den Griff zu bekommen ist. Auch hier sind Details wie Schrauben, Klappen und die Antirutschbeschichtung als auch Abmessungen absolut stimmig und toll umgesetzt. Mit ein bisschen Geschick ist die Waffenanlage auch schwenkbar.

Der recht große Staukasten ist ebenfalls aus massivem Resin. Verschlüsse, Scharniere und Klappen sind recht detailliert und die Abmaße wiederrum stimmig. Der untere Halterahmen zeigt jedoch Gussfehler und Fischhäute. Hier ist Nacharbeit gefordert.

Die Kleinteile: Behältern und Kanisterhalterungen am Rahmen sind durchweg in Ordnung mit minimalem Formversatz. Die Details auch hier einwandfrei. Die Richteinrichtung ist absolut gelungen und ohne Kritik. Die Stützstempel bzw. die Teller und Haltevorrichtungen sind absolut detailtreu und zeigen keine Fehler. Lediglich Fischhaut führt auch hier zu erhöhter Versäuberungsarbeit.

Die hinteren Deckel der Raketenbehälter sowie MG-Lafette zeigen leichte Gussfehler, welche leicht in den Griff zu bekommen sind. Auch hier wiederum Fischhaut an den Bauteilen. Detailliert und stimmig. Die vorderen Platten der Werferrohre zeigen ein ähnliches Bild.

Die Plattform für den Richtkanonier und für die Beladung der Raketenbehälter ist heute leider nicht mehr zeitgemäß. Hier hätte ich den Einsatz von z.B. Messing-Gitter oder gar Fotoätzteilen erwartet. Der Guss ist dennoch in Ordnung wobei auch hier ein gewisser Versäuberungsaufwand anfällt. Ein sehr leichter Verzug ist auch hier zu beobachten.

Die Raketenrohre – hier kommt Licht und viel Schatten zu Tage. Die enthaltenen Werferrohre sind von solch unterschiedlicher Qualität, dass man zweimal hinsehen muss. Da gibt es den Anguss mit perfekt gegossenen und stimmigen Bauteilen und dann auch das absolut krasse Gegenteil. Das bringt leider keine Freude und sollte nach der Qualitätskontrolle nicht auftreten. Positiv zu betrachten ist hier, dass dem Bausatz mehr als die 36 notwendigen Rohre beiliegen- vielleicht eine Entscheidung der Qualitätskontrolle. Dennoch trübt es den Eindruck.

Bleiben noch die Metallteile des Bausatzes zu erwähnen. Hierbei handelt es sich um ein Stück Messingdraht sowie zwei kleinere Stahldrähte. Besonders hervorzuheben ist hier das MG-3 gegossen aus Weißmetall. Sehr schön.

Auch die nicht explizit erwähnten Bauteile sind durchweg gelungen aber leider nicht alle von perfektem Guss. Alles in allem sind die Bauteile sehr gut recherchiert, klasse detailliert und stimmig. Dies tröstet über die kleineren und größeren Macken ein bisschen hinweg.

Referenzen

Für den originalgetreuen Zustand des Raketenwerfers LARS kann ich neben den reichlich zu erhaltenen Originalfotos aus dem Internet die Referenz-DVD von Dio-Factory, welche ich hier bereits vorgestellt habe, mit der Artikelnummer 341 empfehlen. Informative Literatur liefert uns der Verlag Tankograd Publishing mit der Ausgabe 5030 „Raketenartillerie der Bundeswehr – LARS 2 und MARS“ aus der Serie Militärfahrzeug Spezial.

Zusammenfassung

Der LARS 2 von Elite Modellbau ist schon ein mächtiger und sehr interessanter Bausatz, der schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Details sind gut recherchiert und größtenteils klasse umgesetzt. Wie bereits bei den Bauteilen erwähnt, schwankt allerdings die Fertigungsqualität der Bauteile was eigentlich sehr schade für diesen tollen, einzigartigen Bausatz ist. Ist ein gewisser Verzug oder auch Lufteinschlüsse bei Resinmodellen noch in Kauf zu nehmen, so sind manche Bauteile schon als grenzwertig zu betrachten. Hier ist noch Luft nach oben. Der Bau des Modells setzt nach meiner Ansicht schon eine gewisse Modellbau-Erfahrung voraus. Preislich gesehen befindet sich der Bausatz, wie in der Kleinserie zur Kostendeckung üblich, im oberen Segment.

Fazit

Für einen Fan von Artillerie-Fahrzeugen und Modellbauer wie ich es bin, ist dieser Bausatz ein absolutes Muss. Licht und Schatten wechseln sich allerdings in der Fertigungsqualität ab und trüben den Eindruck der doch recht guten Details sowie dessen Umsetzung. Bedenkt man das Alter dieses Bausatzes, so ist es dennoch ein anspruchsvoller und vor allem einzigartiger Bausatz für den erfahrenen Modellbauer im oberen Preissegment.


Produktinformation

Hersteller: Militärmodellbau Hubert Mörs – http://www.elitemodell.de
Serie: Elite
Artikelbezeichnung : Lars 2 Werfer für MAN 7t
Art. Nr. : 3584a
Maßstab: 1:35
Preis : ca. 79,50 EUR

Bausatzhistorie

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Militärmodellbau Mörs für die freundlichen Bereitstellung des Besprechungsmusters.

Elite: LARS 2 Werfer für MAN 7t
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