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Das mir die Artillerie am Herzen liegt, hat wohl schon der ein oder andere gemerkt. Umso mehr schlug mein Herz höher als mir die neuesten Bausätze von Y-Modelle bekannt wurden. Eine Feldhaubitze 155mm (FH-70) im Maßstab 1:35! Endlich! – dachte ich. War dies doch für mich ein lange gehegtes Wunschmodell. Es gab dieses Modell bereits von HobbyFan, was aber schwierig zu bekommen ist. Jetzt liegt der Bausatz von Y-Modelle vor mir und ich bin gespannt wie ein „Flitzebogen“ was ich in dem Karton vorfinde…

Das Original

In den frühen sechziger Jahren kamen die Bundesrepublik Deutschland und Großbritannien
überein, dass sie ein neues 155 mm-Artilleriegeschütz benötigten, um die alten 155 mm-
Feldhaubitzen vom Typ M 114 und die 5.5 Inch-Geschütze der britischen Armee abzulösen. Nach der Festlegung der Anforderungen erfolgte die Entwicklung der ersten Prototypen. Die ersten sechs Prototypen wurden in den Jahren 1969 und 1970 fertiggestellt, woraufhin Italien nach Akzeptierung der technischen und taktischen Spezifikationen dem Projekt beitrat, da die italienische Armee ebenfalls auf der Suche nach einer neuen Feldhaubitze war. Japan erhielt eine Lizenz zur Nachfertigung des Geschützes. Das erste Seriengeschütz wurde 1978 fertiggestellt.
Die Feldhaubitze 155 mm FH 70 besteht aus den Hauptbaugruppen Unterlafette, Oberlafette
oder auch Waffenanlage und der Richtanlage. Weiterhin ist sie mit einem 48,5 kW (66 PS) starken Hilfsantrieb ausgestattet. Nach Erreichen der Feuerstellung ist es der FH 70 / FH155-1 möglich, mit Hilfe des Hilfsantriebes die vorgesehene Position zu beziehen. Innerhalb von 5 Sekunden nach dem Einrichten des Geschützes in der Feuerstellung kann Feuerbereitschaft hergestellt sein. Die FH 70 / FH155-1 kann von Zugfahrzeugen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h gezogen werden. Der Lufttransport ist in einer Lockheed C-130 oder als Außenlast unter einem CH-47 Chinook möglich.

Die Waffenanlage der FH 70 / FH155-1 besteht aus einem Geschützrohr im Kaliber 155 mm mit einer Zweikammer-Mündungsbremse, einem halbautomatischen Fallkeilverschluss, einer automatischen Zuführeinrichtung für Treibladungsanzünder und einer halbautomatischen Ladeeinrichtung. Die Feuergeschwindigkeit beträgt 6 Schuß pro Minute und ein Feuerschlag (3 Schuß) war innerhalb 13 Sekunden möglich.
Als Munition wurden drei Sorten von Geschossen verwendet. Zur Auswahl standen das HE-Geschoss (High Explosive – Sprenggeschoss) L15A1 mit einer Sprengladung von 11,3 kg, das Nebelgeschoss DM105 sowie das Leuchtgeschoss DM106. Als Treibladung wurden Beuteltreibladungen verwendet, die in drei Gruppen eingeteilt waren. Die Kampfentfernung mit Standardmunition betrug 24,7 km.

Die letzte Feldhaubitze 155mm FH 70 wurde am 19. November 2002 von der 3./BeobArtBtl 131 mit dem goldenen Schuss um 15:09 Uhr außer Dienst gestellt.

Der Bausatz in der Übersicht

In einem stabilen, weißen Stülpkarton – ja richtig liebe Bausatzhersteller, ein Stülpkarton – mit aufgeklebtem farbigen Deckelbild kommt das Modell mit der Artikelnummer Y35-154 daher.

Darin befinden sich fein säuberlich in Folie verpackt die über 200 Bauteile aus olivgrünem Resin. Die Folie ist wie ein Schlauch, in dem die Bauteile durch verschweißen in mehreren Kammern verpackt sind. Weiterhin findet sich in dem Karton die farbige Bauanleitung, Decals und ein gedrehtes Rohr aus Aluminium. Ja, richtig gelesen – ein gedrehtes Rohr aus Aluminium! Auf den ersten Blick sehr überzeugend.

Die Bauanleitung

Die farbige , 19-seitige Bauanleitung im Stil einer Brochüre im DIN-A5-Format beginnt mit allgemeinen Hinweisen zum Umgang mit den Bauteilen und Resin. Es folgt eine komplette Bauteilübersicht, wo alle Bauteile durchnummeriert sind. Anschließend werden die Bauschritte in Form von 3D-Zeichnungen in 6 Hauptabschnitten übersichtlich dargestellt. Diese Darstellung ist mir von Y-Modelle neu, kenne ich bisher doch nur dessen Foto-Anleitungen. Ich finde die 3D-Darstellung angenehm, übersichtlich und verständlich. Bei den Bauschritten gilt es zu beachten, ob die Feldhaubitze in Marschstellung oder in der Feuerstellung dargestellt werden soll. Dazu enthält die Anleitung Hinweise für die jeweilige Option. Am Ende der Anleitung finden sich, wie bei Y-Modelle üblich, Fotos des zusammengebauten Modells.

Decals

Der kleine mitgelieferte Decalsatz enthält Markierungen für den Bau der Feldhaubitze 155mm der 2. Batterie des Artilleriebataillons 295 der Deutsch Französischen Brigade oder der 4. Batterie des Gebirgsartilleriebataillon 225. Zu den Markierungen gehören die taktischen Zeichen, Nummernschilder sowie zwei Betreten verboten – Markierungen. Die Decals sind sauber gedruckt und qualitativ einwandfrei. Leider ist es kein Siebdruck mit Trägerfilm, womit die Decals vom Modellbauer selbst nah am Druck ausgeschnitten werden müssen. Der Bausatz enthält hierzu einen extra Hinweis.

Die Bauteile

Wie bereits erwähnt, enthält der Bausatz über 200 Bauteile ! Somit dürfte Bastelspass garantiert sein. Alle Bauteile bestehen, mit Ausnahme des Kanonenrohres, aus Resin. Konstruiert in 3D wurden die Master im 3D-Druck hergestellt. Aber – die Bauteile zeigen insgesamt nur wenige bis gar keine Spuren des schichtenweisen Aufbaus durch den 3D-Drucker. Eine hervorragende Qualität!

Betrachten wir die Bauteile mal näher.

Das Kanonenrohr
Das Kanonenrohr ist, wie bereits erwähnt, ein aus Aluminium gefertigtes Drehteil. Die Fertigung ist einwandfrei und die Dimensionen sind nach meiner Kenntnis stimmig. Schön das hier auf zweiteilige Bauteile verzichtet wurde. Dazu kommt die stimmige Mündungsbremse auch Resin.

Antrieb
Die Antriebseinheit mit Hilfsmotor besteht überwiegend aus einem großen Bauteil. Einwandfreier Guss und schöne Details kennzeichnen dieses. Ob Lüftungsrippen oder Riffelblech oder auch Pedale und Fahrersitz – an alles wurde gedacht und hervorragend umgesetzt.

Unterlafette
Die Bauteile der Unterlafette sind ebenfalls von einwandfreiem und scharfkantigem Guss. Auch hier gibt es nichts auszusetzen. An der Unterlafette werden die beiden jeweils mit Angüssen versehenen Holme befestigt. Die Räder aus schwarzem Resin besitzen das korrekte Profil und entsprechende Schriftzüge auf den Flanken. Der Anguss befindet sich hinten auf einer Flanke, wodurch das Profil durchgehend auch beim Entfernen des Anguss erhalten bleibt. Gut gemacht. Die beiden Tanks zeigen korrekte Formen und auch die Verschlüsse bzw. Tankdeckel sind super dargestellt. Gerade die feinen Details wie Hydraulikleitungen, Vorgelege, abklappbare Schutzbleche, Holmzurrung, Antriebsräder und Erdsporne machen das besondere bei den Bauteilen hier aus. Einfach fantastisch umgesetzt.

Oberlafette
Die Oberlafette mit Rohrwiege spart ebenfalls nicht mit weiteren Details. Alle Bauteile sind auch hier hervorragend detailliert und auch der Guss ist bei dem noch so kleinsten Teil einwandfrei. Scharfkantig, ohne Verzug und Blasen erhält man hier die Bauteile. Auch hier sind alle Bauteile gesockelt und vom Modellbauer leicht zu entfernen. Hier und da ist ein wenig Versäuberungsarbeit notwendig, die schon etwas Aufmerksamkeit erfordert, damit die filigranen Bauteile nicht beschädigt werden. Sei es die Richteinrichtung mit Hebeln, Handrädern und Gelenken, die Höhenrichtzylinder sowie die Rohrwiege selbst mit Ladeschale und vielen weiteren kleinen Details – einfach absolut überzeugend. Allein der Keilverschluss z.B. ist eine kleine Augenweide, so zahlreich sind die Details.

Referenzen

Ausführliche Literatur zur Feldhaubitze konnte ich leider keine finden. Lediglich eine Beschreibung von Rheinmetall war verfügbar. Sollte jemand hier Quellen kennen, so wäre ich für entsprechende Hinweise dankbar. Fotoübersichten finden sich bei den bekannten Quellen wie Panzer-Modell oder auch Prime-Portal. Hervorheben möchte ich den ausführlichen Walkaround auf der Webseite von Ulrich Wrede sowie die Walkaround-DVD von Dio-Factory.

Zusammenfassung

Die Bauteile sind von hervorragender Qualität und lassen keine Gussfehler erkennen. Der Detaillevel ist überragend. Dies zeugt von einer ausführlichen Recherche und einer professionellen Umsetzung. Die Möglichkeit der Darstellung in der Feuerstellung oder in Marschstellung eröffnet dem Modellbauer entsprechende Optionen. Dem Anfänger ist diese Modell nicht empfohlen, da meiner Ansicht nach schon eine gewisse Erfahrung vorausgesetzt werden sollte. Preislich befindet sich das Modell im oberen Segment, was bei der Kleinserie nicht unüblich ist. Die Qualität des Bausatzes spricht für sich.

Fazit

Hier gibt es für mich nur ein Fazit: Ein phantastisches, hoch detailliertes und qualitativ hervorragendes Modell! Auch wenn der Preis im oberen Segement ist, ist der Bausatz der i-Punkt für den modellbauenden Artilleristen. Für mich persönlich das Modell des Jahres!



Produktinformation

Artikelbezeichnung : Feldhaubitze 155mm – FH-70
Art. Nr. : Y35-154
Maßstab: 1:35
Bausatztyp: Kompletter Bausatz
Material: Resin, Aluminium
Hersteller: Y-Modelle – http://www.y-modelle.de
Preis : ca. 139,90 EUR

Bausatzhistorie

An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an Michael Köditz, Y-Modelle für die freundliche Bereitstellung des Besprechungsmusters.

Y-Modelle: Feldhaubitze 155mm FH70
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